Geschichte

Der 1. FC Saarbrücken – vom Rodenhof aus bis in die Bundesliga

In der DJK Malstatt spielte der Volksschullehrer Thomas mit den Buben und Mädchen zur Unterhaltung und weniger als Kampfsport Tischtennis. Im Ludwigspark versammelte August Kropp Jugendliche um sich herum und spielte mit ihnen wie besessen Tischtennis. Eine Eingliederung dieser Gruppen in den FV Saarbrücken war zwar gewollt, kam jedoch nicht zustande, weil der damalige Vorstand des FVS Tischtennis nicht als Sport betrachtete. Daher mussten die jungen Tischtennisspieler trotz der Zugehörigkeit zum FVS einen eigenen Verein gründen. Sie gründeten den "Rot-Weiß" Saarbrücken-Rodenhof, der als Keimzelle des Tischtennissports im FVS und im heutigen FCS angesehen werden muss. Was im Jahre 1933 noch nicht möglich war, wurde dann aber im Jahre 1935 auf Grund eines Vereinsgesetzes erreicht: Rot -Weiß Saarbrücken kam jetzt zum FV Saarbrücken. Zu den Gründern der Tischtennisabteilung zählen wir den damaligen 1. Vorsitzenden August Kropp sowie u.a. die Spieler "Schorsch" Heimer, Heini Brück, Heini Brocker und Rudi Leist. Es wurde sehr eifrig trainiert, sonntags wurde vor und nach dem Fußballspiel im Park Tischtennis gespielt. Mehr und mehr setzte sich jetzt aber die Auffassung durch, dass Tischtennis nicht nur der Unterhaltung dient, sondern auch Sport, ja anstrengender Sport ist, bei dem Kondition und Konzentration notwendig sind. Bereits 1935 hatten die Tischtennisspieler des FVS die Vormachtstellung der Fürstenhausener und des DSC Saarbrücken durchbrochen und von dieser Zeit an blieb die Mannschaftsmeisterschaft bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges in Malstatt.

Durch den Krieg verlor die Tischtennisabteilung die Spitzenspieler Jack und Heini Hartmann, die aus dem Krieg nicht mehr zurückkamen. In dieser Zeit spielten aber auch die Damen bereits Tischtennis und so nach und nach entwickelte sich eine leistungsstarke Mannschaft mit den Spielerinnen Leist, Woog und Wilhelm. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Tischtennisspieler wieder aktiv. Sie wurden u.a. unterstützt von dem späteren DFB- Präsidenten Hermann Neuberger und Gustav Schmitz. Spartenleiter wurde Heinrich Scholten und er verstand nicht zuletzt auch wegen der herausragenden Spielstärke der Tischtennisdamen dem 1. FCS einen klingenden Namen im ganzen Land zu verschaffen.
Die Herren hatten da mehr Probleme sich spielerisch zu entwickeln und sportliche Erfolge einzufahren. Ein großes Problem waren die unzureichenden Trainingsmöglichkeiten. Es gab kaum Hallen oder große Säle, um dort Tischtennis zu spielen. Oftmals standen die Spieler ohne Bälle da, weil es offenbar nicht leicht war, Tischtennisbälle zu beschaffen. Auch der Nachfolger des bisherigen Spartenleiters Heinrich Scholten war nicht in der Lage, diese Missstände abzubauen. In den Jahren 1946, 1947 und 1948 dominierte die 1. Damenmannschaft mit Ewerts, Ratius und Bremerich. Erst mit dem Spieljahr 1949/50 zeichnete sich ein Hoffnungsschimmer am Horizont ab, ehemalige Spitzenspieler kehrten zu rück, so dass auch der Ausblick auf die Saison 50/51 recht positiv ausfiel. Alle neun Titel des Saarländischen Tischtennisbundes wurden von den Damen und Herren des 1. FCS Saarbrücken gewonnen. Die herausragenden Spielerinnen der Nachkriegszeit waren zweifellos bei den Damen Anneliese Ratius, Paula Evertz und Evi Graf. In der folgenden Spielzeit konnten die Erfolge nicht wiederholt werden. Zum einen wurde das Paarkreuzsystem der Vierermannschaft eingeführt und zum anderen mussten jüngere Spieler in die Mannschaften integriert werden. Doch insgesamt hatte sich der 1. FCS zu einem spielstarken Verein entwickelt, dem im Jubiläumsjahr 1953 durch den saarländischen Tischtennisbund das Prädikat "Bester Verein des Spieljahres 1952/53" zuerkannt wurde. Der 1. FC Saarbrücken war als mehrfacher Saarlandmeister in dieser Zeit auch über die Landesgrenzen hinaus im "Reich", in Luxemburg und in Frankreich sehr erfolgreich. Der damalige Spartenleiter, Hans Schumacher, lobte die gute Zusammenarbeit innerhalb des Großvereins 1. FC Saarbrücken und die materielle und finanzielle Unterstützung des Tischtennissports. Nachfolger von Hans Schumacher wurde Alfons Schröder, der von 1956 bis 1991 die Geschicke der Tischtennisabteilung leitete.

In den sechziger Jahren gelang der Tischtennisabteilung unter dem damaligen jugoslawischen Trainer Tibor Harangozo der sensationelle Aufstieg in die Bundesliga u. a. mit den Spielern Karl-Heinz Russy, der heute noch aktiv und sehr erfolgreich Tischtennis spielt, Karl-Heinz Schreiner, Friedel Hahn und Hans Schommer und Erwin Berg. Der 1. FCS konnte sich in der Spielzeit 66/67 und 67/68 in der Höchsten deutschen Spielklasse halten. Erwähnenswert und vermutlich einmalig in der Bundesrepublik Deutschland ist die Tatsache, dass vom 1.FC Saarbrücken ausgehend zwei weltweit bekannte Tischtennisfirmen gegründet wurden. Das ist zum einen die von dem Weltenbummler Dr. Nicklas gegründete Firma "Donic" und zum zweiten die Firma "Tibhar", die von dem ungarischen Trainer Tibor Harangozo gegründet wurde. Geschäftsführer von "TIBHAR" ist heute Erwin Berg und Roland Berg und von "DONIC" Karl-Heinz Schreiner, die beide zusammen in der FC- Meistermannschaft spielten. In den siebziger Jahren setzte der 1. FCS nach einem kurzen Rückschlag zu einem nicht erwarteten nationalen und internationalen Höhenflug an.

Nach dem Abstieg gelang 1974 erneut der Wiederaufstieg in die Bundesliga und die Malstatter erreichten 1975 im europäischen Messestädtepokal überraschenderweise das Halbfinale. Sie spielten in Budapest im Beisein des Abteilungsleiters Alfons Schröder gegen die bärenstarken und zur damaligen Zeit unbezwingbaren Herren aus Budapest, die mit dem amtierenden Weltmeister Jonyer antraten. Der 1. FC Saarbrücken hatte in diesem Match keine Chance und verlor auch wie erwartet mit 5:3. In der Spielzeit 1975/76 spielte der 1. FCS in folgender Besetzung und Reihenfolge innerhalb des Sextetts: Thomas Geyer aus Mörfelden und Horst Groß aus Quierschied als vorderes Paar, Dietmar Kelkel aus Hargarten und Karl-Heinz  Russy aus Rentrisch als mittleres Paar und hinteren Kreuz der international bekannte Globetrotter Kalli Nöller und der Luxemburger Camillo Pütz. Ersatzspieler war der aus der eigenen Jugend gekommene Richard Stigulinsky. Spartenleiter Toni Schröder und der beim 1. FCS bestens bekannte Trainer Karl-Heinz Schreiner arbeiteten Hand in Hand. Die Tischtennisabteilung des 1.FCS war in den siebziger Jahren ein bundesweit bekanntes Aushängeschild des Vereins. Immer wieder gab es sportliche Erfolge, aber auch bittere Niederlagen und Phasen des Wiederaufbaus mussten eingeleitet werden.

In den achtziger Jahren dominierte der ATSV Saarbrücken nicht nur regional und national, sondern auch international, so war der Konkurrent aus der Landeshauptstadt dank finanzieller Höchstanstrengungen vorübergehend die Nummer eins im Saarland. Für die Tischtennisabteilung des 1. FC Saarbrücken begann die "Saure-Gurken-Zeit". Finanzielle Probleme führten u.a. dazu, dass der Spartenleiter Toni Schröder vorübergehend auf der Geschäftsstelle des Vereins arbeitete. Toni kümmerte um die Buchhaltung des gesamten Vereins und sah während dieser Zeit etliche Manager kommen und gehen. In den neunziger Jahren konnte sich die Tischtennisabteilung des 1. FC Saarbrücken wieder stabilisieren und wurde wieder die Nummer Eins im Saarland.

1996 wurde Dr. Thomas Fox, Arzt für diagnostische Radiologie und Leiter der Radiologischen Praxis im Krankenhaus St. Josef in Dudweiler, Abteilungsleiter. Er selbst spielt aktiv Tischtennis in der zweiten Oberligamannschaft und  kennt daher die Probleme des Tischtennissports. Zum einen sind es die teils sehr wenig bekannten und ungünstige Spielzeiten wie Samstagabend und Sonntagvormittag, zum Zweiten die geringe Zuschauerresonanz bei den Heimspielen.  

 

Alte Zeitungsausschnitte:
 


Kurzbericht über Horst Groß



Kurzbericht über Friedel Hahn



Kurzbericht über Georg Nicklas



Foto Bruno Paulus



Kurzbericht über Karl-Heinz Russy



Kurzbericht über Richard Stigulinszky



Die Meistermannschaft von 1966